ENES - Experten-Netzwerk-Essstörungen Schweiz

Psychotherapie

Psychische Faktoren sind massgeblich für Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen verantwortlich. Das psychotherapeutische Vorgehen sollte störungsorientierte Elemente enthalten. Wichtigste Ziele sind die Normalisierung von Essverhalten und Gewicht.

Verfahren

Es gibt heute verschiedene psychotherapeutische Verfahren: tiefenpsychologische, psychoanalytische oder kognitive Verhaltenstherapie sowie systemische, Familien- oder Gesprächstherapie. Die aktuelle Studienlage erlaubt es nicht, spezifische Behandlungsempfehlungen für das eine oder andere Verfahren bei Erwachsenen abzuleiten. Bei der Behandlung von Essstörungen im Kindesalter zeigte sich jedoch bisher die familienbasierte Therapie als besonders wirksam. Der Einbezug der Eltern ist daher unumgänglich. Entscheidend ist vor allem, dass die Behandlung essstörungsspezifische Aspekte berücksichtigt wie z.B. fehlende Mahlzeitenstruktur, Essrituale, selektive Nahrungsauswahl, Bewegungsverhalten sowie kognitive Einstellungen zu Ernährung, Figur und Gewicht. Für eine vertrauensvolle und wirksame Therapie ist vor allem auch der Aufbau der therapeutischen Arbeitsbeziehung wichtig. Da das Arbeiten an Einsichten und die Bewältigung von Symptomen sehr anstrengend sein kann, hängt der Erfolg einer Psychotherapie von der Mitarbeit der Patientin ab.

Vorgehen

Wie dabei vorgegangen wird, hängt vom jeweiligen Krankheitsstadium ab. Am Anfang geht es wegen der Ambivalenz und der Angst vor Gewichtszunahme vor allem darum, die Motivation zur Veränderung aufzubauen sowie konkret eine Änderung des Essverhaltens zu unterstützen. Zu einem späteren Zeitpunkt rücken die psychodynamischen Aspekte, welche die Problematik aufrechterhalten, ins Zentrum. Dazu gehören Selbstwert und Körpererleben, Perfektionismus,  Entwicklung der eigenen Geschlechtsidentität, Umgang mit negativen Emotionen sowie interpersonelle Beziehungsmuster. 

Settings

Die Psychotherapie erfolgt im Einzelsetting oder in Gruppen, wo auch ein Austausch unter den Patientinnen möglich ist. Der Einbezug der Angehörigen oder Arbeitgeber ist dabei ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Sie können die Patientinnen dabei unterstützen, neu Erlerntes im Alltag anzuwenden und schwierigen Situationen vorzubeugen.

Rückfallprävention

In der Rückfallprophylaxe werden relevante Themen um die Essstörung besprochen wie z.B. das Erkennen und Bewältigen von Rückfall-Risikosituationen im Alltag. Es werden Informationen und Übungen zu den Themen Anorexie, Bulimie und Binge Eating vermittelt und die Patientinnen arbeiten daran, die erreichten Ziele aufrecht zu erhalten. Da viele Patientinnen ihrer Krankheit gegenüber ambivalent sind, wird kontinuierlich an den Themen Krankheitseinsicht und Therapiemotivation weiter gearbeitet. Dazu dient auch die Entwicklung der eigenen Identität und Lebensperspektive ausserhalb der Essstörung.

Selbsthilfe

Selbsthilfeansätze wie die Arbeit mit entsprechenden Büchern, die Teilnahme an Selbsthilfegruppen oder die Benutzung von internetbasierten Programmen reichen meist alleine nicht aus, um die Essstörung zu überwinden, sie können jedoch die Therapie wirkungsvoll unterstützen.